Heidelberg zeigt Störern jetzt die Gelbe Karte

Donnerstag, 13 April 2006

Quelle: RNZ 13.4.2006

{…}
Dass das Problem randalierender Nachtschwärmer mit starker Polizeipräsenz allein nicht in den Griff zu bekommen ist, darin waren sich alle Beteiligten einig. Auf Initiative von Erhard Loy vom Polizeirevier Mitte und der Heidelberger Altstadtgastronomen – ganz vorne dabei Matthias Rohr vom Reichsapfel und Gudula Röttger vom Café Extrablatt – entwickelte der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, René Pöltl, das „Gelbe Karte“-Konzept, das deutschlandweit bisher einzigartig ist.
Damit steht den Polizisten ein abgestuftes Sanktionssystem zur Verfügung. Wer durch einfache Ruhestörung auffällt, wird zunächst – ähnlich wie im Sport bei einem leichten Foul – nur ermahnt. Bei einem gravierenderen Regelverstoß verteilen die Beamten die „Gelbe Karte für Störer“. Auf der Rückseite steht: „Sie sind heute störend in Heidelberg aufgefallen. Diese Karte sollen Sie als Warnung verstehen: Sollten Sie in Heidelberg noch einmal störend auffallen, müssen Sie mit einem Aufenthaltsverbot und einem (weiteren) Ordnungswidrigkeiten- und Strafverfahren rechnen. In allen Gaststätten gilt: wer massiv oder wiederholt stört, erhält Hausverbot. Das gilt auch für Sie. Ihre Personalien haben wir aufgenommen und gespeichert.“ Die Störer werden sogar fotografiert.
Fällt der so verwarnte Übeltäter nochmals negativ auf, kann die Stadt gegen ihn in einem nächsten Schritt ein dreimonatiges Aufenthaltsverbot für die Innenstadt verhängen. Ein Verstoß dagegen wird wiederum mit einem Zwangsgeld zwischen 200 und 1000 Euro geahndet. Ordnungsamtsleiter Pöltl: „Die Leute werden das schon zu spüren bekommen.“ Erfahrungswerte hat die Stadt übrigens bereits für den Bereich Neckarwiese gesammelt. Dort wurden im letzten Jahr zwei Aufenthaltsverbote für Wiederholungstäter verhängt. Sie durften sich den ganzen Sommer über dort nicht mehr blicken lassen.

Ein wichtiger Baustein des „Gelbe Karten“-Systems ist natürlich die Beteiligung der Altstadtgastronomen. Wenn in einer Kneipe ein Gast gewalttätig wird oder massiv stört, bekommt er nicht nur in diesem Lokal ein Hausverbot, sondern in allen Häusern, die sich an der Konzeption beteiligen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist mit im Boot. Mit anderen Kneipiers sind die Stadt und Matthias Rohr von der Dehoga im Gespräch.

Türsteher werden von der Polizei geschult

Weitere Früchte trägt die Kooperation zwischen Gastronomen und Polizei übrigens auf einer ganz praktischen Ebene – und zwar bei neuen Deeskalationsschulungen, die ab Ende April für Türsteher und Kneipen-Personal angeboten werden. Viele Konflikte in der Altstadt entstehen erfahrungsgemäß dann, wenn angetrunkene Kneipengänger vor überfüllten Lokalen abgewiesen werden müssen. Die Gastronomie-Mitarbeiter lernen nun bei den Spezialisten der Polizei beschwichtigend auf aggressive Personen einzuwirken.

In der Altstadt ist man also inzwischen auf einem guten Weg, um die Situation zu verbessern. Die verstärkte Polizeipräsenz zeigte im Übrigen bereits ihre Wirkung. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden 36 Körperverletzungen in der Innenstadt registriert, im Vorjahreszeitraum waren es noch 63. Um diesen guten Wert zu erzielen, leisteten die Beamten des Reviers Mitte und der Bereitschaftspolizei 1500 Arbeitsstunden. Sie kontrollierten rund 1000 Personen, erteilten 130 Platzverweise und nahmen 55 Ruhestörer und Gewalttäter in Gewahrsam – teils weil sie sich nicht an den Platzverweis hielten, teils einfach nur, um sie auszunüchtern.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: