Pope Town

Dienstag, 25 April 2006

MTV bewirbt seine ab Mai geplante Papstsatire „Popetown“ in Zeitschriftenanzeigen mit einem vom Kreuz herabgestiegenen Jesus, der freudig vorm Fernseher sitzt: „Lachen statt rumhängen“, lautet die Bildunterschrift.
Das haben ja vielleicht schon einige mitbekommen. Nun hat der bayerische CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann hat Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Senders gestellt.

„MTV gibt den Glauben der Lächerlichkeit preis“

Bei der Berliner Staatsanwaltschaft ging Herrmanns Anzeige heute früh vorab per Fax ein. Die „Popetown“-Werbung, so das Schreiben des Fraktionschefs, „erfüllt den Straftatbestand des § 166 StGB“. Der christliche Glaube werde „beschimpft“. Das Leiden, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus stehe „für die allermeisten Christen im Zentrum ihres Glaubens“. Die MTV-Anzeige gebe somit den christlichen Glauben „in besonders herabsetzender Weise der Lächerlichkeit preis“.

Da die Chancen einer klage nicht so gut aussehen, muss eben das Gesetz verschärft werden meint unser Nachbarland. Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) hat schon den Auftrag, bis Juli einen Vorschlag für die Neufassung des Paragraphen 166 auszuarbeiten.

In einer Aktuellen Stunde des bayerischen Landtags machte CSU-Fraktionschef Herrmann noch einmal deutlich, dass es ihm nicht um die MTV-Serie als solche, sondern um die Werbung dafür gehe. Mit einem eher kruden Vergleich mühte er sich um den Beleg der Gefährlichkeit solch blasphemischen Gedankenguts. Im März 2001 hätten die Taliban die Buddha-Statuen in Afghanistan zerstört. Man sehe, wohin das geführt habe: „Zu den schrecklichen Flugzeugangriffen in Washington und New York am 11. September.“

MTV bedauert „geschürte Emotionen“

Am Ende gab’s noch eine Prise Selbstkritik: Hatten die Unionsparteien in den achtziger Jahren die Einführung des Privatfernsehens durchgesetzt, so erklärte der CSU-Abgeordnete Henning Kaul heute in Bezug auf MTV: „Das ist nicht im Sinne derer, die einst für die privaten Rundfunkanstalten die Hand gehoben haben.“

Die christsoziale Strafanzeige hat MTV bisher nicht erreicht. Der Sender ist zurzeit noch mit der Unterlassungsverzichtserklärung des Erzbischöflichen Ordinariats München beschäftigt, die die Ausstrahlung der gesamten Serie betrifft. Bis Mittwoch, 18 Uhr, läuft die Frist, bevor die Kirche rechtliche Schritte einleiten will. Der Musikkanal will dann eine Stellungnahme abgeben, wie man sich verhalten werde, sagte MTV-Sprecher Mats Wappmann gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die Werbung mit Jesus vorm Fernseher aber wird seit dem 11. April nicht mehr gesendet. „Die bei uns eingegangenen Beschwerden haben wir sehr ernst genommen und bedauern natürlich, mit der Kampagne Emotionen geschürt zu haben“, so Wappmann.

Das dürfte auch Erwin Huber freuen. Denn der hatte im CSU-MTV-Medienrausch 1999 versprochen, künftig jeden Abend mal kurz bei MTV einzuschalten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: